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Sardischer Unabhängigkeitsaktivist Salvatore Meloni stirbt

“Sie können mich einsperren, aber mein Geist wird für immer frei sein!”

Die Worte des sardischen Unabhängigkeitskämpfers Salvatore Meloni drücken in einem Satz sein Lebenswerk aus. Salvatore Meloni, genannt “Doddore” verstarb am 05. Juli im Alter von 74 Jahren nach einem Hungerstreik im Gefängnis, der über sechzig Tage anhielt.

Vier Tage später findet die Beisetzung  in dem Dorf Terralba statt, wo er lange Zeit gelebt hat. Der Gottesdienst wird in sardischer Sprache abgehalten und hunderte von Menschen begleiten Salvatore “Doddore” Meloni auf seinem letzten Gang. Einige von ihnen rufen “Freiheit” und “Unabhängigkeit”, andere tragen sein Foto auf dem T-Shirt und so mancher schwingt die sardische Fahne, in die auch der Sarg gehüllt ist.

Seine Frau trägt ein traditionelles Gewand, und auch Doddore selbst wurde in der Tracht von Ittiri begraben, wo er 1943 das Licht der Welt erblickte. Es kehrt Ruhe ein, als seine Witwe Giovanna am Sarg in Tränen ausbricht. Ein typischer, mediterraner, antiker Brauch der lauten Klage, “s’atitu” genannt.

Selbst die weiß-blau-rote Fahne der Sardischen Republik “Malu Entu” wird von vielen Trauernden in den Wind gehalten. 2008 kapern Doddore und einige Anhänger die kleine Insel Mal di Ventre, im zentralen Westen Sardiniens gelegen, und rufen dort die “Unabhängige Republik” aus.

Dieser Plan, den Doddore bereits Ende der siebziger Jahre gefasst hatte, scheiterte fünf Monate später. Ein Richter sorgte dafür, dass die Separatisten durch den Einsatz von Militärkräften entfernt wurden. Doddore hatte neben der Fahne auch eigenes Geld drucken lassen und weitere Pläne gefasst. Anscheinend gehörte die Insel nicht mal den Italienern.

 

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Es war auch das Geld, das Doddore zuletzt ins Gefängnis brachte. Er weigerte sich jahrelang Steuergelder zu bezahlen, da er den italienischen Staat nicht als seine Nation betrachtete: “Non si pagano le tasse agli stranieri!” / “Man zahlt keine Steuern an Fremde!”, verteidigte er sein Handeln.

Am 28 April 2017, am sardischen Nationalfeiertag “Sa dii de sa Sardìnnia”, stellte er sich und ging freiwillig ins Gefängnis. Er tat es seinem großen Vorbild Bobby Sands gleich, einem nordirischen IRA-Mitglied, welcher auch nach 66 Tagen Hungerstreik in einem Gefängniskrankenhaus starb. Es war jedoch nicht der erste Hungerstreik mit dem Doddore seinen Protest ausdrückte.

1981, als die Sardisten in Porto Torres einen Kongress abhielten, schlug er vor, das Statut drastisch zu erweitern. Er schlug vor, dass die Partei als höchstes Ziel haben sollte, das sardische Volk zur Unabhängigkeit zu führen. Im selben Jahr wird er wegen Separatismus, Verschwörung und bewaffnetem Angriff auf amerikanische Soldaten angeklagt und zu neun Jahren Haft verurteilt.

Während dieser Zeit tritt er bereits fünf Monate lang in den Hungerstreik. Danach lebt er einige Zeit in Korsika und auf dem italienischen Festland, von den Sarden “il continente” genannt. Die letzte Bewegung, der er angeschlossen war, hieß “Meris in domu nosta”, was so viel bedeutet wie “Herren im eigenen Haus”.

In den letzten Tagen sind sehr viele Artikel erschienen, die davon berichten, dass der italienische Staat einen großen Fehler begangen habe. Sehr viele der sardischen Medien haben das Thema diskutiert und besonders die Portale der Unabhängigkeitsparteien, die es in Sardinien gibt.

Bereits während seiner Inhaftierung gingen Fotos von ihm durch die sozialen Netzwerke, beschriftet mit dem Satz “Je suis Doddore Meloni”. Er hat nie sonderlich viele Stimmen bekommen, als er sich zur Wahl stellte. Er galt als der “Verrückte” unter den Separatisten, da seine Aktionen “schräg” wirkten.

Geradezu pittoresk, wie er am Tage seiner Gefangennahme in seinem roten Panda auf der Straße von der Polizei verfolgt worden ist, obgleich er gerade dabei war selbst ins Gefängnis zu fahren. Er lachte viel und sagte einmal, er habe seine “Revolution mit Polenta durchgeführt”, womit er meinte, dass man ihn immer als gefährlicher einstufte, als er es tatsächlich war und vieles von den Medien negativ aufgebauscht wurde.

Er war diesbezüglich sehr selbstironisch und veräppelte häufig den italienischen Staat. Sehr humorvoll nahm er auch die Parodie seiner Person in einem sardischen Fernsehformat, in dem er auftrat und sich mit seinem “Double” auf Sardisch unterhielt.

Überhaupt spielte die sardische Sprache eine sehr große Rolle. Er war anscheinend auch der Erste, der sich durchgesetzt hat, die sardische Sprache vor Gericht zu verwenden. Ein Übersetzer wurde hinzugezogen, obwohl Doddore der italienischen Sprache mächtig war.

Man hatte aber auch Respekt vor Salvatore Meloni, da er sehr stur und relativ gewaltfrei seine Ziele verfolgte. Es ist nicht einfach, in die sardische Mentalität vorzudringen und bestimmte Konzepte zu verstehen, zumal es verschiedene Betrachtungsweisen gibt. Man kann jedoch festhalten, dass er für viele als “Balente” galt.

Das Konzept, einer Person “die Werte vertritt”, die sich für die Gemeinschaft einsetzt. Eine Person, die mutig ist, die im Extremfall bereit ist für ihre Ideale zu sterben. Häufig werden diese Personen auch geehrt, weil sie sich gegen Autoritäten auflehnen.

Aus diesem Grund gelten manchmal leider auch einige schwere Kriminelle oder Banditen als “Balentes”. Partiell basiert dies augenscheinlich auf Regeln und auf einem Ehrenkodex. Von Fall zu Fall bewertet man individuell, ob das Konzept auf eine bestimmte Person zutrifft.

Ich persönlich habe ihn genauso verabschiedet am Tage seines Todes:

“RIP, Doddore Salvatore Meloni, amigu. As a abarrai semperi me su coru miu, indipendentista prus machilloti e prus balenti de totus.”

“RIP, Doddore Salvatore Meloni, Freund. Du wirst für immer in meinem Herzen bleiben, verrücktester und ehrwürdigster Unabhängigkeitskämpfer.”

 

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